Anhalter

Der Anhalter – hessische Lokalsorte 2015. Erstmalig beschrieben wurde die Sorte vermutlich 1865 vom Pomologen Dr. Carl Thomae, der die Sorte einige Jahre zuvor von einem Gärtner aus der Gemeinde Kronberg erhielt. Dort war die Sorte unter dem Synonym „Christ`s Wildling“ verbreitet, benannt nach dem Apfelpfarrer Johann Ludwig Christ, der die Sorte aus Kernen gezogen haben soll. Später wurde die Sorte in Süd- und Mittelhessen verbreitet. Heute findet man sie in einigen Bereichen des Lahn-Dill Kreises sowie im Frankfurter Raum und im Taunus.

Die Früchte sind nicht anfällig für Schorf und eignen sich besonders zur Apfelweinherstellung, aber auch für alle weiteren Formen der Verarbeitung und Zubereitung. Nach Weihnachten kann der Anhalter auch als Tafelobst genutzt werden. Die Äpfel reifen standort- und witterungsbedingt zwischen Anfang und Mitte Oktober und sind bis April lagerfähig.

Der Anhalter ist eine robuste und widerstandsfähige Sorte. Für Krankheiten ist er kaum anfällig. Die Bäume sind starkwüchsig und langlebig sowie anspruchslos an Boden und Klima. Durch seine Frosthärte ist der Anhalter auch für den Anbau in Höhenlagen geeignet. Der Ertrag setzt früh ein und ist regelmäßig. Die Sorte neigt jedoch im Alter zu Alternanz, was bedeutet, dass auf Jahre mit sehr starkem Ertrag, Jahre mit weniger starkem Ertrag folgen.

Kennzeichen des Anhalters ist die Variabilität der Früchte. Die Form reicht von rund bis hochgebaut. Die Deckfarbe variiert von trübrot gestreift bis verwaschen rot und ist mit zahlreichen hellen Punkten durchsetzt. Die grüne Grundfarbe wird bei zunehmender Reife gelblich. Die Schale der Früchte ist glatt, trocken und druckfest. Früher existierten verschiedene Typen des Anhalters. So gab es den „Großen Anhalter“, den „Grünen Anhalter“, den „Dickstileigen Anhalte“ und den „Walzenförmigen Anhalter“. Eine weiterführende pomologische Beschreibung kann u.a. dem Faltblatt „Hessische Lokalsorte 2015 – Anhalter“ des Pomologen-Vereins entnommen werden. Die beigefügte Zeichnung entstammt dem Werk „Verzeichnis aller in Deutschland angebauten Kernobstsorten“ (1934-1939) von Richard Zorn.

Landschaftspflegevereinigung Lahn-Dill e.V.

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