Hüttenberg in der Bronzezeit

1. Überblick

Am Ende der Steinzeit, schon etwa 2200 v. Chr., taucht in Mitteleuropa erstmals Kupfer als neuer Werkstoff auf. Aufgrund seiner weichen Beschaffenheit wird das Metall hauptsächlich für Schmuck und kleine Dolche verwendet. Ab etwa 1800 v. Chr. setzt sich Bronze mehr und mehr durch, die aus einer Legierung von etwa neun Teilen Kupfer und einem Teil Zinn hergestellt wird und weitaus härter als Kupfer war. Von etwa 2200 bis etwa 800 v. Chr. spricht man deshalb in Mitteleuropa von der Bronzezeit. Dieser Zeitraum wird noch einmal in drei Epochen unterteilt:

1. Frühe Bronzezeit→ 2200 bis 1600 v. Chr.
2. Mittlere Bronzezeit → 1600 - 1300 v. Chr. (Hügelgräberbronzezeit)
3. Späte Bronzezeit → 1300 bis 800 v. Chr. (Urnenfelderzeit)

Die Unterscheidung in die drei Zeitabschnitte orientiert sich an den sich wandelnden Beisetzungsformen. Wurden die Toten in der frühen Bronzezeit unverbrannt zumeist in Flachgräbern beigesetzt, setzte sich in der mittleren Bronzezeit die Körperbestattung unter Grabhügeln durch, weshalb man von der „Hügelgräberbronzezeit“ spricht. In der späten Bronzezeit ändern sich Bestattungsbräuche und Grabformen grundlegend: Die Toten werden nun verbrannt und ihre Asche wird mit Beigaben aus Keramik und Metall in Urnen auf Gräberfeldern beerdigt.

Die Bronzezeit in Mitteleuropa war gleichzeitig die Zeit der Hochkulturen in Babylon, der Ägäis, in Ägypten und im Vorderen Orient. Im Unterschied zu den vorderasiatischen Bronzezeitkulturen gab es in den europäischen noch keine Schrift, sodass wir hier allein auf archäologische Funde angewiesen sind.

2. Was ist neu in der Bronzezeit?

Neben den Steingeräten, die auch in der Bronzezeit noch in Gebrauch sind, finden sich mehr und mehr in immer weiter entwickelten Gussverfahren hergestellte Werkzeuge, Waffen und Schmuck aus Metall. Einfache Werkzeuge wie Sicheln oder Messer und schlichter Schmuck wurden vermutlich in fast allen Siedlungen hergestellt, komplizierte Gegenstände wohl eher von Spezialhandwerkern ausgeführt.

Ob tatsächlich in Hüttenberg Bronze gegossen wurde und wo dies geschah, lässt sich bisher nicht sagen.

In der mittleren Bronzezeit tauchen in Mitteleuropa auch Glasperlen als Schmuck auf, die nicht importiert wurden, sondern aus einheimischer Herstellung stammen.

Die hauptsächliche Lebensgrundlage der Menschen in der Bronzezeit ist, wie auch in der vorausgehenden Jungsteinzeit, die Landwirtschaft. Der Anbau von Nahrungsmitteln wird nun vielfältiger und auch in der Tierzucht gibt es wichtige Neuerungen. Dinkel und Hirse erweitern den schon aus der Steinzeit bekannten Getreideanbau von Einkorn, Emmer und Gerste. Eiweißhaltige Hülsenfrüchte wie Erbsen und Linsen und ab der späten Bronzezeit die Ackerbohne gewinnen in der Ernährung teilweise eine größere Bedeutung als das Getreide. Rind, Schaf, Ziege, Schwein und Hund werden weiterhin als Haustier gehalten, hinzu kommt zu Beginn der Bronzezeit das Pferd als Haustier und zum Ende hin das Hausgeflügel.

Neu in der Agrartechnik ist nun das Pflügen mit von Ochsen oder Rindern gezogenen Gespannen und der Einsatz von Sicheln aus Bronze, die die Getreideernte erheblich beschleunigten. In speziellen Vorratsgruben wird das Getreide gelagert und nach Bedarf auf Mahlsteinen zu Mehl geschrotet. Aus der späten Bronzezeit ist die Herstellung von Käse aus Kuhmilch schon bekannt.
Die Siedlungen der Bronzezeit lagen zumeist in der Nähe fruchtbarer Böden mit einem guten Zugang zu Wasser. Von langer Dauer waren die aus Holz und Lehm gebauten Häuser nicht, und auch die Siedlungen selbst existierten nur wenige Generationen an einem Ort. Neben den Wohnhäusern war das Siedlungsgelände übersät von Gruben in unterschiedlicher Größe, die zur Getreidelagerung, Lehm- und Tonentnahme oder zur Ausführung eines Handwerks, wie zum Beispiel dem Weben oder Töpfern dienten. Waren die Gruben überdacht, spricht man von „Grubenhäusern“.

3. Bronzezeitliche Spuren in Hüttenberg

Aus der frühen Bronzezeit, die bis etwa 1600n v. Chr. datiert wird, sind von Hüttenberg bisher keine Funde bekannt.
Angrenzend an den Wald von Hochelheim findet sich in der Gemarkung von Dornholzhausen ein Hügelgräberfeld aus der mittleren Bronzezeit. 1833 wurden einige Gräber vom Hochelheimer Pfarrer Abicht geöffnet. Die damals ausgegrabenen Gegenstände wie Dolche und Nadeln aus Bronze sind allerdings heute verschollen.
Erst aus der späten Bronzezeit gibt es eine Fülle von Funden aus den Gemarkungen von Hörnsheim, Hochelheim, Rechtenbach und Volpertshausen. Bei zwei Fundstellen handelt es sich um Spuren einer Besiedlung, bei einer fanden sich Gräber und Gebäude, bei den weiteren vier Fundstellen stieß man auf die Überreste von Gräbern. Eine herausragende Bedeutung hat dabei ein Friedhof aus der Bronzezeit mit 37 Urnengräbern, der im Rahmen der Trassengrabung zum Bau der Ferngasleitung 2006/07 in Hörnsheim nahe der Autobahn entdeckt wurde.
Beim Bau der Umgehungsstraße aus Rechtenbach Richtung Autobahn stieß man 1974 an der Einmündung der Gießener Straße auf drei Wohngruben. Der größte Teil der Siedlung war schon durch Baggerarbeiten zerstört, bevor man darauf aufmerksam wurde. Aus dem noch unzerstörten Teil von zwei Wohngruben konnte trotzdem noch eine Menge an Keramikscherben, Schmuck und Werkzeugteilen geborgen werden. Darunter waren u.a. Bruchstücke eines Spinnwirtels, eines Bronzeringes und eines Schleifsteins.

Von einer weiteren Siedlung aus der Bronzezeit, deren Spuren 200m westlich des Gräberfeldes auf der Gasleitungstrasse in der Gemarkung Hörnsheim sichtbar wurden, kamen die Pfostenlöcher eines Hausgrundrisses und die Spuren von Gruben zum Vorschein. Bild 4 und 5 Bei ihnen handelt es sich teilweise um Gruben, die ursprünglich zur Lehmentnahme gegraben worden waren und später zur Abfallentsorgung genutzt wurden. Andere dienten als Silogruben oder gehörten zu ehemaligen Grubenhäusern. Bei der Trassengrabung 2006 kamen große Mengen an Funden zum Vorschein, wie Keramik, Reibsteinbruchstücke oder auch Bruchstücke von Steingeräten. Eine Besonderheit aus dieser Siedlung ist ein vollständiges Miniaturgefäß in Bootsform.
Bild 6 (fehlt noch)

Reichhaltige Funde enthielten die bronzezeitlichen Urnengräber, die an verschiedenen Stellen in Hüttenberg im Laufe der Zeit entdeckt wurden. Schon Ende der 1930er Jahre wurde im Garten der Bäckerei Weber in Hochelheim beim Aushub einer Kompostgrube ein Urnengrab entdeckt. Zahlreiche Gefäße aus Keramik, ein Bronzering und die Knochenreste eines Tieres konnten damals geborgen werden.
Noch mehr Funde kamen aus zwei Urnengräbern auf einem Acker südöstlich von Kleinrechtenbach 1942 zum Vorschein.

Bronzenes Rasiermesser aus einem Männergrab. Foto: T.Raeder, LfDH Aus dem gleichen Grab stammt auch diese Spiralfibel aus Bronze. Foto: T.Raeder, LfDH Nahezu unzerstört wurden viele Urnen im Boden gefunden Naheu unzerstört wurde auch diese Urne im Boden gefunden Armringe aus einer Urne In den Urnen von Hörnsheim waren bis zu elf Beigefäße vorhanden. Foto: LfDH Gefäße aus Grab 17 vom Gräberfeld in Hörnsheim. Foto: O.Krause, LfDH

Schließlich war es der Friedhof in der Gemarkung von Hörnsheim, der in 37 Urnen eine Fülle von Keramik, Schmuck und Gebrauchsgegenständen aus der Bronzezeit überliefert hat. In den teilweise noch unzerstörten Gefäßen fanden sich neben dem Leichenbrand ganze Geschirrsätze von Keramik, Messern, Bronzeschmuck und Glasperlen.

Nur wenige Überreste gab es von einer bronzezeitlichen Besiedlung in der Gemarkung Volpertshausen, die ebenfalls auf der Gasleitungstrasse gefunden wurde. Grubenreste stehen hier möglicherweise in Bezug zu einem schon stark zerpflügten Grab.